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tanzwärts 2017

Wenn Lehrer stolz sind auf Ihre Kinder

Andreas Reker, Schulleiter der KGS St. Joachim, Foto: textfactory

Andreas Reker, Schulleiter der KGS St. Joachim, Foto: textfactory

Eine Lehrerin, die vor Begeisterung regelrecht sprüht, ein Schulleiter, der stolz auf die Arbeit an seiner Schule ist und ein Kollegium, das gemeinsam das Projekt unterstützt, weil es darin große Chancen für die Schülerinnen und Schüler sieht: Zum zweiten Mal ist die KGS St. Joachim beim Community-Dance-Projekt tanzwärts dabei. 

180 Kinder aus mehr als 20 Nationen besuchen die Katholische Grundschule St. Joachim im Dürener Norden, ca. 75 Prozent haben einen Migrationshintergrund und rund 25 Prozent davon wiederum kommen ohne jegliche Deutschkenntnisse. Ein Alltag, der dem Kollegium, bestehend aus 10 Lehrerinnen und Lehrern plus Schulleiter einiges abverlangt. Manche Kinder müssen überhaupt erst einmal lernen, dass man sich mit einem Stuhl an einen Tisch setzt. Alphabetisierung ist hier eine Aufgabe, keine gegebene Voraussetzung. Zeit für Projektarbeit bleibt da kaum. Leistung, so sieht es das deutsche Schulsystem nun einmal vor, steht im Vordergrund. „Wir sind auf den Lehrplan fixiert“, sagt Lehrerin Elisabeth Schneider, die das Tanzprojekt schon im letzten Jahr initiierte. Umso schöner findet sie es, dass es bei tanzwärts vor allem darum geht, individuelle Fähigkeiten zu fördern. Frei nach dem Motto „Jeder ist ein Tänzer“ können hier die 9- und 10-Jährigen zeigen, was in ihnen steckt, auch wenn es vielleicht in Deutsch und Mathe nicht so klappt. Bei tanzwärts habe jedes Kind die Möglichkeit, sich neu zu entdecken, stimmt auch Schulleiter Andreas Reker zu. „Jeder kann irgendwas!“ 

Die Teilnahme an tanzwärts ist freiwillig; die Kinder der 3. und 4. Klassen konnten selbst entscheiden, ob sie teilnehmen möchten. Allerdings galt es, auch die Eltern ins Boot zu holen, denn einmal dabei, ist die Probenphase durchaus anstrengend. 6 Wochen wurde jeden Tag nach der Schule trainiert. Fehlen galt nicht, denn in der Choreografie, die die Gruppe mit den beiden Choreografen Ronja Nadler und Dirk Kazmierczak erarbeitet hat, hat jeder seinen Platz und seine Rolle. „Das mussten auch die Eltern erst einmal verstehen und akzeptieren“, sagt Elisabeth Schneider. Der Info-Abend zu Beginn war da nur der Anfang. Zahlreiche Gespräche und Telefonate folgten – immer dann, wenn Kindern oder Eltern der Verzicht auf Hobbys und Freizeit doch zu lang und anstrengend erschien. Am Ende haben aber fast alle durchgehalten. Ein Punkt, den Andreas Reker besonders wichtig findet. Im Projekt lernen die Kinder, auf ein klares Ziel, nämlich die Aufführung im Haus der Stadt, hinzuarbeiten. „Und auch wenn das anstrengend ist, es bringt ihnen Motivation und Spaß!“ Für viele Kinder ein Lerneffekt fürs Leben:  dass sich Anstrengung lohnt, dass man in der Gruppe weiterkommt, dass man für das Geleistete Anerkennung und Applaus bekommt.

Aber nicht nur die Eltern, auch das Kollegium der Schule, muss mitziehen. „Die Kollegen haben ihr Lehrprogramm auf die besondere Situation eingestellt“, erklärt Elisabeth Schneider. So gab es in der Zeit des Trainings weniger Hausarbeiten und auch die Betreuung der Tanzkinder zwischen Schulschluss und Proben haben die Kolleginnen und Kollegen freiwillig reihum übernommen.

Es sind eben alle davon überzeugt, dass das Projekt nachhaltig wirkt und ja, auch beim nächsten Projekt wäre die KGS St. Joachim wieder dabei! „Dass wir als Team das zum zweiten Mal machen und dass fast alle Kinder bis zum Ende dabei bleiben, das macht mich ein bisschen stolz“, sagt Andreas Reker zum Abschluss. Und da ist es auch nur selbstverständlich, dass das Kollegium geschlossen zur Premiere am 2. Juni kommen wird, um die Tänzerinnen und Tänzer zu feiern. Ganz sicher auch eine Erfahrung, die so manches Kind zum ersten Mal machen wird. Und sicherlich eine nachhaltige! 

Drei Mal „Sehnsuchtsort Heimat“

Josef ist einer von rund 70 Teilnehmern, die bei tanzwärts 2017 nach dem Sehnsuchtsort Heimat suchen.

Josef ist einer von rund 70 Teilnehmern, die bei tanzwärts 2017 nach dem Sehnsuchtsort Heimat suchen.

Josef ist 49 Jahre alt und wohnt erst seit einem halben Jahr in Düren. Er kam, weil es beruflich passte. Mawroz ist 32 Jahre, Shehab 23. Auch sie sind neu in Düren. Die beiden syrischen Flüchtlinge kamen, um ihr Leben zu retten. Seit gut zwei Wochen sind die drei ungleichen Männer Teilnehmer im Dürener Community Dance-Projekt tanzwärts. Das Thema – ausgerechnet – „Sehnsuchtsort Heimat“.

Josef hat schon als Jugendlicher im Schultheater auf der Bühne gestanden. Heute ist er selber Lehrer und wurde über David Gray auf das Tanzprojekt aufmerksam – dieser war in seiner Eigenschaft als Projektleiter für tanzwärts 2017 auf Akquisetour durch die Schulen gereist, um den Dürenern das weitgehende unbekannte Feld des Community Dance näher zu bringen. tanzwärts 2017 ist erst das zweite Projekt dieser Art in Düren und erfordert von den Teilnehmern viel Engagement und Zeitaufwand: Sechs Wochen lang, fünf Tage die Woche, jeden Tag dreieinhalb Stunden Training – da bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge. 

Auf der Suche nach dem "Sehnsuchtsort Heimat": der 23-jährige Shehab kam als syrischer Flüchtling übers Meer.

Auf der Suche nach dem "Sehnsuchtsort Heimat": der 23-jährige Shehab kam als syrischer Flüchtling übers Meer.

Für Josef kein großes Problem. Den Unterricht für den nächsten Tag vorzubereiten, schafft er am Nachmittag auch noch. Für den 23-Jährigen Shehab dagegen ist es schwierig. Deutsch- und Orientierungskurse gehen für den jungen syrischen Flüchtling bis in den späten Nachmittag, die Proben schließen sich fast nahtlos an. Es bleibt kaum Zeit, noch was zu essen, dann muss er schon wieder los. Und lernen für die Prüfungen muss er ja auch noch. Da hat er sich schon gefragt, ob er das Tanzprojekt nicht sausen lässt. Aber es ist für ihn auch sozialer Kontaktpunkt - auch wenn fast keine Teilnehmer in seinem Alter dabei sind. Dennoch erhofft er sich, Menschen aus Düren kennenzulernen. Seit seiner Flucht über das Meer, alleine ohne Eltern und Geschwister, sind seine sozialen Kontakte nahezu auf andere Flüchtlinge beschränkt. Das würde er gerne ändern, weiß aber nicht so richtig, wie er auf Deutsche zugehen soll. „Ich lebe ein Leben ohne Leben“, sagt er in nahezu fehlerfreiem Deutsch, und meint, dass er außer Schlafen, Lernen, Essen nichts unternimmt. Bitter, in einem Alter, in dem junge Menschen gemeinhin mit Freunden unterwegs sind, ausgehen, einen Partner suchen oder bereits eine Familie gründen.

Volle Konzentration: Bis die Bewegungen selbstverständlich werden, ist es für Renate Schubert und die anderen Teilnehmer ein langer Weg.

Unbeschwerte Momente beim Tanzprojekt: Mawroz ist aus Syrien geflüchtet.

Eine „eigene“ Familie hat auch Mawroz nicht. Auch ihm kam der Krieg in Syrien dazwischen. Aber er, seine Geschwister und seine Eltern haben die Flucht geschafft, alle sind in Deutschland, wenn auch verteilt. Mawroz lebt bei einer deutschen Familie in Nideggen-Berg und hat Arbeit – wenn auch nicht seiner Qualifikation entsprechend, denn eigentlich ist Mawroz studierter Betriebswirt. Doch er fühlt sich wohl in seinem Betrieb; seine Kollegen unterstützen ihn bei dem Projekt; sein Chef plant ihn in die Frühschichten ein, damit er am Abend zum Training kommen kann. „Tanz ist gut für den Körper“, sagt er. Und dass die ersten Tage doch sehr schwer und von Muskelkater geprägt gewesen seien. „Das stimmt“, pflichtet ihm Josef bei. Auch er hat nach dem ersten Tag gehadert und überlegt, das mit dem Tanzen doch lieber sein zu lassen. „Diese Quälerei einen Monat lang durchzuhalten, das ist schon eine Herausforderung“, sagt er. „Aber es wird auch mit jedem Tag leichter. Die Bewegungen sind nicht mehr so ungewohnt, der Muskelkater wird besser.“ Außerdem gebe es ein Gefühl von Nähe „und das tut gut!“  Und auch Mawroz ist überzeugt: „Es wird bestimmt gut. Wir werden ein Team und wachsen zusammen!“ 

So haben sich die drei Männer entschieden, weiterzumachen, dabeizubleiben. Josef, Mawroz und Shehab: Drei Männer, drei unterschiedliche Leben und drei Mal der „Sehnsuchtsort Heimat“ – gemeinsam auf der Bühne im Haus der Stadt am 2. Juni.

tanzwärts 2017 – Sehnsuchtsort Heimat

Premiere: Freitag, 2. Juni, 19 Uhr, Theater Düren im Haus der Stadt. Weitere Vorstellungen: Sa, 3. Juni und Sa, 10. Juni. Karten 6 Euro, erm. 3 Euro im iPunkt Düren, Markt 6.

Fotos: Wolfgang Hünerbein

Die besten Tanzkinder der Welt

Kim ist einer von 30 Schülern der KGS St. Joachim, die beim Tanzprojekt mitmachen.

Kim ist einer von 30 Schülern der KGS St. Joachim, die beim Tanzprojekt mitmachen.

Die Jungs rennen wild durcheinander, skandieren Sprechchöre, schubsen sich. Zwei Mädchen sitzen lustlos auf der Bank, haben Bauchschmerzen und ziehen beleidigte Gesichter, weil eine bei ihnen beliebte Teilchoreografie gestern rausgeflogen ist. Es scheint wahrlich nicht leicht, diesen wilden Haufen aus 30 Grundschülern zu bändigen, doch die beiden Choreografen Ronja Nadler und Dirk Kazmierczak lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Schließlich ist in 2 Wochen Premiere von tanzwärts.

Wenige Minuten später sitzen sie dann doch ruhig auf dem Boden der Turnhalle: 30 Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klasse der KGS- St. Joachim in Düren. „Guten Morgen, Herr Dirk! Guten Morgen, Frau Ronja“ schallt es wie aus einer Kehle, obwohl es schon früher Nachmittag ist. Ein Ritual zum Ankommen. Die Kinder sind aufgeregt; die Presse ist da, will über sie berichten. „Na, was könnten die schlimmsten Schlagzeilen, sein, die die Presse über Euch schreibt?“, will Choreograf Dirk Kazmierzcak wissen. Finger schnellen in die Luft! „Reporterin geht mit Kopfschmerzen nach Hause!“ „Reporterin fallen vor lauter Lärm die Ohren ab“. Großes Gelächter! „Und“, fragt Kazmierczak weiter, „was könnten die besten Schlagzeilen sein?“ „Die Kinder von tanzwärts sind die besten Tanzkinder der Welt“.  Bestimmt sind sie das. Nur haben sie schon einen langen Schultag von 5 oder 6 Unterrichtsstunden hinter sich. Da fällt es schwer, sich zu konzentrieren. 

Manche haben in der OGS Mittag gegessen, anderen waren noch schnell zu Hause. So wie Sophie, die zwischendurch auch noch Klavier geübt hat. „Freitags ist es immer sehr anstrengend!“ erzählt die 9-Jährige. Da muss sie nach dem Tanztraining, das von 14 bis 16.30 Uhr dauert, noch zum Klavierunterricht. Seit vier Wochen haben die 9- bis 10-Jährigen ein streng durchgetaktetes Leben bestehend aus Schule und Tanztraining. Spielen, Lesen, Schwimmen bleiben da ein bisschen auf der Strecke. Was sie antreibt, ist der Ehrgeiz, am Ende, bei der Premiere und den beiden nachfolgenden Aufführungen im Haus der Stadt „die besten Tanzkinder der Welt“ zu sein. Alicia hat die Aufführung im letzten Jahr gesehen und erlebt, wie stolz ihre Mutter war, weil die ältere Schwester auf der Bühne stand. Das wünscht sie sich auch. Die 8-jährige Loujin hat dagegen keine richtige Vorstellung gehabt, als sie sich zum Mitmachen gemeldet hat. Jetzt findet sie: „Es ist viel cooler, als ich dachte!“ und bezieht das besonders auf die Choreografen, die sie sich „ganz anders“ vorgestellt hat. Wie die anderen Kinder freut sie sich auf die Kostüme und auch auf die Fotos von den Aufführungen. Eine Erinnerung an ein tolles Projekt, das sie in jedem Fall nochmal mitmachen würde. „Sogar 10 Mal hintereinander!“ Das würde auch der 9-jährige Kim unterschreiben, dessen Leidenschaft Tanzen ist. Und Fußball natürlich. Die Haare trägt er lang, wie sein großes Vorbild Gareth Bale, ein walisischer Fußballer der bei Real Madrid unter Vertrag steht. Wenn er groß ist, möchte Kim auch Profifußballer werden. Dann kann er viel Geld verdienen und ein Haus auf den Philippinen kaufen, wo seine Familie herkommt und sein Vater lebt. Viele der Kinder, die aus mehr als 10 Nationen kommen, müssen auf Teile ihrer Familie verzichten, weil diese nicht in Deutschland wohnen, sondern in Ghana, Aserbaidschan, Pakistan oder oder oder. Nicht leicht, wenn man 9 oder 10 Jahre alt ist. Der Titel des diesjährigen Community-Tanzprojektes „Sehnsuchtsort Heimat“ spricht so manchem aus der Kinderseele.

Der Vogeltanz ist Teil einer großen Choreografie.

Der Vogeltanz ist Teil einer großen Choreografie.

Das Aufwärmen beginnt. Kindgerecht verpackt Ronja Nadler die einzelnen Elemente der Choreografie in Anweisungen: „Äpfel pflücken“ und „Wirf den faulen Apfel und schau ihm nach“. Es folgen „Rücken schwimmen“, „Auftauchen“ und „Abtrocknen“ – Begriffe unter denen die Kinder sich leicht was vorstellen können. Dann der erste Durchlauf: „Planet Paprika“. Fröhliche Rhythmen schallen durch die Turnhalle. Die Kids sind jetzt so richtig dabei, haben sichtlich Spaß, kombinieren Elemente aus dem zeitgenössischen Tanz mit „Damat Halayi“, dem türkischen Hochzeitstanz. Danach kommt der „Vogeltanz“ – eine Choreografie, bei der die Mädchen und Jungen mit ausgebreiteten Armen durcheinander „fliegen“. Berührende Momente voller Anmut und Konzentration. Momente in denen etwas aufblitzt, das es in den nächsten 2 Wochen noch weiter nach vorne zu holen gilt. Und am Ende, das ist sicher, werden sie ihr Ziel erreichen: Am Freitag, 2. Juni, sind all diese Kinder „die besten Tanzkinder der Welt“!

INFO

tanzwärts 2017 Sehnsuchtsort Heimat ist das 2. Community Dance Projekt von Düren Kultur. Sechs Wochen lang trainieren rund 70 DürenerInnen zwischen 8 und 80 unter der Anleitung der Choreografen Ronja Nadler, Karen Piewig und Dirk Kazmierczak. Am Freitag, 2. Juni, um 19 Uhr ist Premiere im Haus der Stadt, zwei weitere Vorstellungen folgen am Freitag, 3., und Samstag, 10. Juni. Karten gibt es im iPunkt Düren, Markt 6, für 6 Euro, erm. 3 Euro.

Fotos: Wolfgang Hünerbein

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Cappella Villa Duria. Das Foto zeigt den Chor des Konzertforums.

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